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| Nach dem
überwältigenden, gloreichen und unübertroffenen Erfolg von DEBB (Daniel's
Elektronischer Begleiter in Boston) und
DEBBM (Daniel's Elektronischer Begleiter
in Boston und Moorea) ist die kleine Plaudertasche nun
weiter mutiert: DEBI (Daniel's Elektronischer
Begleiter in Indien). DEBI
ist leider sehr beschäftigt ... die letzten Tage ist er gar nicht dazu gekommen was zu
schreiben. Na gut... dann werde ich die Sache eben selbst in die Hand nehmen.
Was ich in Indien mache? Bin hier mit Michi und Jan, zwei meiner
Mitbrömel von Ascending Technologies (www.asctec.de). Gemeinsam mit Prof. Nick Roy und
drei Jungs vom MIT (RJ, Abe und Sam) treten wir bei einem Wettbewerb für klitzekleine
Fluggeräte MAV08 (Micro Aerial Vehicles)
gegen 11 Teams aus der ganzen Welt an. Ziel ist es mit den Flugobjekten, die nicht
größer als 30 cm sein dürfen, ein Einsatzkommando ungesehen zu einem Bankgebäude zu
führen, in dem gerade eine Geiselnahme stattfindet. Die Operationsbasis ist ca. 1 km vom
Bankgebäude entfernt - d.h. Sichtkontakt zum Fluggerät ist nicht. Keine leichte
Aufgabe... Das ganze ist gleichzeitig eine wissenschaftliche Konferenz für Flugrobotik.
Viele Forscher aus der ganzen Welt halten Vorträge über ihre derzeitige Forschung und
interessante Projekte für die Zukunft.
Also dann, viel Spaß beim Lesen!
Daniel
P.S. Solltest du rechts kein Gästebuch sehen: Guckst du hier! |
| Sonntag,
16.03.08: Heimflug Nach einem letzten leckeren
indischen Abendessen gestern Nacht im Zentrum von Delhi (die 200 km lange Rückfahrt von
Agra hat gerade mal 6 1/2 Stunden gedauert ;-) ) und einer entspannenden Nacht im Radisson
Hotel nahe am Flughafen verlassen wir Indien mit Lufthansa-Flug 763. Spannende und
aufregende Tage lassen wir da hinter uns. Zum Ausruhen bleibt jetzt nicht viel Zeit,
kommenden Mittwoch geht's auf nach Tahiti/Moorea, um dort den tropischen Regenwald mit dem
AscTec Falcon, unserem neuesten Octocopter, von oben zu fotografieren. Berichte werden
folgen :-). |
| Samstag,
15.03.08: Abschlusszeremonie Zu Beginn der Zeremonie
hält erst mal jedes Team einen Vortrag mit ner kleinen Zusammenfassung von dem, was bei
der Missionsdurchführung passiert ist, wo Probleme lagen, etc.. Nach einer kurzen
Podiumsdikussion ist es endlich so weit: Presiverleihung!
*Trommelwirbel* ... hier sind die Gewinner des "Best Rotorcraft
Award":

... und hier sind die Gewinner eines von vier "Best Mission
Awards":

... und die da haben noch nen Sonderpreis gekriegt:

Um unseren Teamleader Nick zu zitieren: "Egal, wie
viele Möglichkeiten du dir ausdenkst wie irgendwas im Leben potentiell enden könnte, und
wenn du auch die unwahrscheinlichsten Fälle in Betracht ziehst - es wird immer noch was
kommen mit dem kein Mensch gerechnet hatte". So war's tatsächlich. Wir haben
eigentlich stark damit gerechnet auf einem der oberen Plätze zu landen, haben aber auch
die Möglichkeit in Betracht gezogen - warum auch immer - irgendwo weit hinten zu landen.
Bei der Preisverleihung mussten nun alle Teams erstaunt feststellen, dass sich die Jury
entschlossen hat praktisch vier erste Plätze ohne weitere Wertung zu verleihen: Die vier
"Best Mission Awards". Grund dafür war, dass die Gewinner-Teams ENAC, Martin
Mueller, MIT/AscTec und Arizona in ihrer Wertung ähnlich viele Punkte, aber aus ganz
unterschiedlichen Gründen erreicht hatten. Unsere stärke liegt eindeutig in unserer
Technologie - aus technischer Sicht ist unere Hornet in vielen Punkten allen anderen
telnehmenden Systemen überlegen. Die Stärke vom Martin Müller-Team und von ENAC ist die
organisierte, einfach zu bedienende Missionsplanung, die mit ihrem über Jahre gewachsenen
Paparazzi-System möglich ist, sowie die Robustheit des technisch einfach gehaltenen
Autopiloten. Wahrscheinlich sollten wir uns beim nächsten Mal zusammentun und die beiden
Systeme im Rahmen der Mission kombinieren. Was meint ihr dazu, Paparazzis? :-)
Cool an der Sache ist auf jeden Fall, dass sich jetzt
vier Teams über den ersten Platz freuen können. An dieser Stelle auch nochmal herzlichen
Glückwunsch an unsere Mitstreiter! Well done, guys! |
| Freitag,
14.03.08: The show goes on Die Jury hat einen
strikten Zeitplan ausgearbeitet. Vier Teams werden heute noch die Mission fliegen, die
anderen, die großteils eh nicht im 30 cm Größen-Limit liegen dürfen in je 30 Minuten
beliebige Fähigkeiten ihrer Systeme demonstrieren. Anfangs beobachten wir die Show vom
Besucherzelt aus.
Den Anfang heute macht Team N.A.L. Die haben ein eigenes, ziemlich
großes UGV (Unmanned Ground Vehicle) dabei. Ihre Flieger kommen nicht wirklich weit, aber
das Ground Vehicle liefert ist cool: Nach wenigen Metern geht's weg vom Kurs und mit
Vollspeed in die Pampa. Bei der dritten Bodenwelle wird aus dem UGV ungeplanter Weise ein
UAV (Unmanned Air Vehicle) *g*. Das Ding fliegt ein paar Meter durch die Luft und schlägt
wieder auf dem Boden auf. Bei der unsanften Landung fliegt viel teueres technisches
Equipment durch die Gegend :-(. Einige Zeit später wird das Fahrzeug geborgen.

Wettbewerbsmäßig leider nicht wirklich erfolgreich,
aber ne geile Show ;-)
Nächstes Team ist die University of Arizona. Sie
kommen zwar auch nicht ganz so weit, wie sie es sich eigentlich erhofft hatten, aber
schaffen es dennoch mehr als die Hälfte des Feldes mit einem ihrer Flieger abzufliegen.
Well done, guys!
Wir wechseln mit dem Bus die Location vom Besucherzelt
zum Startplatz, um das nächste Team, die University of New South Wales, Australien,
wieder live am Startplatz beobachten zu können. Wenn kein Flieger ankommt ist's auf der
Zuschauertribüne viel zu langweilig. Wieder mal gibt es Probleme mit XBee Datenfunk und
Videolink. Als hätten wir sie nicht vorgewarnt ;-). Die Groundvehicles kommen nicht
weiter als etwa 100 m, die Koaxhelis leiden schon nach < 50 m unter Empfangsverlust.

Nichts desto trotz eine interessante Demo. Die
Australier sind alle cool drauf, einer davon möchte unbedingt Praktikum bei uns machen
:-).
Nach Australien ist wieder Deutschland am Start: Das
Team von Martin Müller Engineering. Zum Einsatz kommt ein kleines, schnelles Fliegerchen
mit Paparazzi-Autopilot.

Die Jungs sind gut. Wenn auch mit dem Flieger keine
Nahaufnahmen oder gezieltes Hovern vor den Fenstern möglich ist, so sind sie doch bestens
geeignet sehr schnell einen Überblick über das gesamte Gelände zu bekommen. Leider
schafft es auch dieses Team nicht die Geisel zu befreien, aber sie kommen ähnlich weit in
der Mission wie wir - eine coole Demo, und sicher harte Konkurrenz.
Damit sind die offiziellen Missions-Zeitslots vorbei.
Das französische ENAC team, das mit fadenscheinigen Begründungen wie "Euer Vortrag
war verdammt schlecht" oder dass sie ja eh praktisch ein Team gemeinsam mit Martin
Müller wären schon so gut wie vom Wettkampf ausgeschlossen waren (keiner weiß so
richtig, was sich die Jury dabei gedacht hatte), erringen doch noch einen 30 minütigen
Demoslot und versuchen darin trotz allem die Mission zu fliegen. Was heißt versuchen: In
den 30 Minuten kommen sie so weit wie wir und Martin's team in 40 Minuten!Alle Anwesenden
freuen sich riesig über den Erfolg, da der nicht wirklich begründete Ausschluss dieses
Teams vom Wettbewerb bei allen anderen Teams nicht gerade für gute Stimmung gesorgt
hatte. Es erschein einfach unfair. Die Jury sollte ihre Entscheidung wohl besser nochmal
überdenken...
Die übrigen Demos waren mehr oder weniger erfolgreich
und mehr oder weniger spannend. Das spanische Team fliegt übrigens auch mit einem unserer
UFOs :-). |
| Donnerstag,
13.03.08: Wir zeigen wer der Boss ist ;-) Gleiches
Spiel wie gestern. Viel zu früh aufstehen, Frühstückspaket schnappen, in den Bus setzen
und sofort wieder einschlafen ;). Basis aufbauen geht heute wesentlich schneller als
gestern - schließlich wissen wir schon wo was hinkommt. Wir holen uns in der Testflugzeit
wieder 4 mal das OK vom Flugleiter um jede unserer Hornets in weniger als 2 m über dem
Startpunkt hovern zu lassen. "Safety One for Mission Director ...". Auf
Sicherheitsnachfragen vom Safety Officer hin (der wohl seit der Aktion der Chiba
University von gestern etwas Angst hat ;-) ) kommt von Kernal Stierna nur: "No
problems with flight termination - it's the MIT team" ;-). Der Testflug gestern im
Wind hat wohl schon ein bisschen Eindruck gemacht. Das Wetter ist fast perfekt: Sehr wenig
Wind, und gegen den Nieselregen der von Zeit zu Zeit einsetzt und gleich wieder aufhört
schützen wir unsere kleinen Hornets mit einem stylischen Klebebandhäubchen ;-).
Nach viel Aufregung und ein paar mehr oder weniger erfolgreichen
Testflügen von anderen Teams ist es endlich so weit: Um 07:40 bekommen wir das GO für
unsere Mission. Wie's lief? Guckst du Teamfoto nachher:

:-). Aber jetzt mal zum Missionsablauf im Detail:
Die Aufgaben im Team:
RJ, Abe und Sam sitzen in der Basis und führen die
eigentliche Mission durch. D.h. UFOs koordinieren, sie an die richtigen Orte schicken,
Videobilder nach Hindernissen durchsuchen und die Koordinaten entsprechend weitergeben,
den Einsatzkommandos sagen wann sie wohin laufen müssen, etc.
Jan ist Sicherheitspilot, der auf dem SimUGV
mitfährt. SimUGV steht für "Simulated Unmanned Ground Vehicle". Alle Teams
dürfen neben den Fluggeräten auch autonome Fahrzeuge für die Mission verwenden. Die
Teams, die keine eigenen Fahrzeuge dabei haben dürfen ein Teammitglied auf der
Ladefläche eines gestellten indischen Viehtransporters ;-) vor dem Einsatzkommando
herfahren lassen.
Michi ist Sicherheitspilot vorne beim Bankgebäude.
Die Sicherheitspiloten schalten in unserem Fall ihre Sender nur an, wenn irgendwas mit dem
Flugobjekt nicht in Ordnung ist (auch wenn das bei den winzigen Hornets in den meisten
Fällen wohl eh nichts mehr hilft).
Ich bin Sicherheitspilot am Startplatz und starte die
UFOs aus der Hand. Direkt darauf schalte ich meinen Sender aus und die Jungs in der Basis
übernehmen vom PC aus.
Nick ist Akkuwechsler und meine
Kommunikationsschnittstelle zur Basis.
Direkt nach dem Start der ersten Hornet wird die
Mission nochmal gestoppt, weil irgendjemand nicht auf der richtigen Position ist.
Wertvolle Sekunden Flugzeit, die dem ersten Akku fehlen. Egal, kurz darauf geht es nun
tatsächlich los. Die erste Hornet steigt auf 10 m Höhe und fliegt langsam die ersten
beiden Wegabschnitte entlang, um das erste Stück freien Weg für das Einsatzkommando zu
finden. Dieser Missionsabschnitt dauert 2 Minuten länger als geplant - wieder Flugzeit
die uns am Ende fehlt. Egal - es gibt ja noch die Option das erste Fluggerät hinten bei
der Bank zu landen und nach der Mission wieder aufzusammeln, haben ja noch drei :-). Auf
35 m Höhe geht's dann mit 10 m/s ab in Richtung Bankgebäude um die Wächter zu
beobachten. Das funktioniert tadellos, bis die Missionssoftware merkt dass der Akku zu
schwach ist und Hornet #1 mit voller Geschwindigkeit Richtung Startpunkt zurückschickt.
Wie erwartet gibt der erste Akku zu früh auf und das Ding landet auf halbem Weg im Feld.
Also starten wir die nächste Hornet, die sich sofort aufmacht, um weitere Wege
abzuscannen und nach getaner Mission problemlos zum Startpunkt zurückkehrt und sicher in
meiner Hand landet. Direkt darauf schicken wir die dritte Hornet los, die den Rest der
Wege abscannt und mit fast leerem Akku noch zum Bankgebäude fliegt, dort auf etwa 1,5 m
sinkt und aus 1 km Entfernung mit dem Joystick gesteuert um das Gebäude fliegt um in die
Fenster zu schauen. Das ist schon richtig cool, und den Zuschauern hat gefällt es -
endlich haben sie mal was live und nicht nur auf dem Bildschirm zu sehen :-). Die Geisel
entdecken wir leider nicht - der Kontrast ist einfach zu schlecht. Die Fenster in dem
weißen Haus sind im Kamerabild einfach nur als schwarzes Loch zu sehen. Als der Akku leer
ist landen wir sicher und kontrolliert neben dem Bankgebäude. Inzwischen sind auch die
Einsatzkommandos am vorletzten cover-point angekommen. Leider sind die 40 Minuten
Missionszeit vergangen wie im Flug (welch Wortspiel ;-) ), und in der Hektik der letzten
30 Sekunden werden sie von den Geiselnehmern entdeckt... uns ist es damit nicht gelungen
die Geisel zu befreien - aber das ist egal. Die Mission ist vorbei, unsere Hornets haben
perfektestens funktioniert und wir sind immerhin sehr weit gekommen. Wir genießen den
Applaus vom Publikum, freuen uns, dass uns auch andere Teams gratulieren und flacken uns
nach dem Abbau der Basis in ein paar Stühle und genießen die Show ;-). Wir sind sehr
happy mit dem, was wir geschafft haben. Auch nach Aussagen der Jury "soll uns das
erst mal jemand nachmachen". Und wie sich später noch herausstellen sollte ist
unsere Leistung auch im Vergleich zu den anderen gar nicht mal so schlecht ;-).
Nach uns ist wieder Chiba dran. Nach ewig langem
Aufbauen stellen sie erst mal fest, dass XBee und 2,4 Ghz link gemeinsam nicht weiter als
50 m funktionieren. Videolink aus, und schon geht's. Als hätten wir ihnen das nicht schon
im Gästehaus erzählt - wir standen vor einigen Monaten vor dem selben Problem. Ich leihe
ihnen also eines unserer Datenmodems, mit dem sie dann am Nachmittag nochmal an den Start
gehen. Es ist schon eine schöne Demo, für die Mission reichts leider nicht wirklich. Bei
den letzten Änderungen hat sich wohl ein kleiner Softwarebug eingeschlichen.
Das Paparazzi-Autopilot-Team von Martin Müller kann
auf Grund der zu warmen Wolken nicht starten. Paparazzi verwendet sechs IR-Sensoren, um
aus der Temperaturdifferenz zwischen Himmel und Boden die Lage des Fliegers zu erkennen.
Bei den tiefhängenden warmen Wolken heute reicht die Temperaturdifferenz nicht aus. Also
heißt's mal wieder auf besseres Wetter hoffen.
Noch ein weiteres Team versucht heute die Mission zu
fliegen, aber auch hier sind die Flieger nach wenigen Metern wieder am Boden ...
Am Ende des Tages haben gerade mal 3 Teams inkl. uns
die eigentliche Mission angetreten, und wir sind die einzigen, die weiter als die ersten
Meter gekommen sind. Für die Orga, die ja auf Grund des Wetters schon den Tag gestern
verloren hat, heißt das jetzt erst mal Krisensitzung. Wie bringt man an einem Tag 9 Teams
unter? Eigentlich waren die 12 Teams auf 3 Tage verteilt...
Gegen Abend gibt es einen organisierten Ausflug zum Taj
Mahal, einem der neuen 7 Weltwunder. Wenn das weiße Marmorgrab, das ein alter Brömel
für seine Frau gebaut hat bloß wenige km vom Hotel entfernt ist muss man es auch mal
gesehen haben. Leider gibt's dort viel zu viele Touristen - aber das war ja nicht anders
zu erwarten. Vergleicht mal die Eintrittspreise für Inder mit denen für Ausländer:

Faktor 37,5. Schon krass, oder? Naja, schnell das
typische Tourifoto vorm Taj Mahal schießen, und wieder raus da :-)

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| Mittwoch,
12.03.08: Jetzt wird's ernst Viel zu früh quälen
wir uns aus den Betten - es ist kurz vor 5. Um 05:30 fährt der Bus zum
Wettbewerbsgelände, ein Übungsgelände für Fallschirmspringer in der Sandwüste etwa 40
Minuten süd-westlich von Agra.

Auf diesem Bild sieht man das 1 km entfernte
"Bankgebäude", in dem die inszenierte Geiselnahme stattfindet, fotographiert
mit 300 mm Zoomobjektiv von einem 5 m hohen Podest am Startpunkt aus. Ohne Zoom und Podest
ist von dem Gebäude, den Wegen dahin und Hindernissen auf den Wegen nicht viel zu
erkennen - man braucht also ein fliegendes Auge um das Einsatzkommando ungesehen zur Bank
zu lotsen und um auszuspähen, wann die Geiselnehmer gerade hinter dem Haus sind und das
Feld daher nicht sehen können. Hinter den blauen Dingern im Feld können sich die
Einsatzkräfte verstecken, wenn die Wächter vom "Red-Team" mit ihrem Fahrzeug
ums Bankgebäude fahren. Der Typ auf dem Podest in der Mitte des Feldes hat eine krasse
Kamera, mit der die Flugobjekte auf ihren Missionen verfolgt werden. Damit werden die
Fluggeräte, die die meiste Zeit zu weit entfernt sind, für das Publikum im Besucherzelt
(in der Nähe des Bankgebäudes) wenigstens auf Monitoren sichtbar.
Missionsziel ist es das Einsatzkommando unsgesehen auf
Pfaden ohne Hindernissen zum Bankgebäude zu lotsen, in den Fenstern nach der Geisel zu
suchen und das Einsatzkommando dann zur richtigen Tür zu schicken. Wenn sie das ungesehen
schaffen ist die Mission gewonnen. Auf dem Weg dahin gibt's natürlich auch schon Punkte
für diverse Teilschritte/-aufgaben.
Da wir als erste dran sind
belagern wir auch gleich das Missions-Basis Zelt, während sich die vier weiteren Teams,
deren Flüge für heute geplant sind, in den Teamzelten auf ihren Auftritt vorbereiten.
Strom kommt aus einem großen, indischen
Dieselgenerator, der erst mal ne Stunde nicht läuft und auch gerne ab und zu mal
ausfällt ;-).
Ab 07.00 hat jedes Team 10 Minuten Zeit für einen
kurzen Systemtest. Wir entschließen uns eine unserer Hornets 1 km wegzuschicken, um die
Daten- und Videokommunikation zu testen. Die Flugleitung ist cool: Geflogen wird erst wenn
alle Safety-Officers auf ihren Positionen sind. Und wenn's auch nur drum geht kurz über
dem Startpunkt zu fliegen. Wenn die wüssten, wie wir das zu Hause handhaben ;-)). Es ist
sehr windig, 10-15 Knoten am Boden, in der Luft entsprechend mehr. Egal, wir
schicken unsere Hornet auf den 1 km Testflug :-). Der Kampf gegen den Wind beginnt.
Eigentlich fliegen die Dinger autonom nach GPS gut 10 m/s, und sind dabei in allen Fällen
stabil. Die Hornet kämpft sich tapfer vorran, nachdem wir allerdings nach 5 Minuten erst
700 m Entfernung erreicht haben entschließen wir uns umzukehren. Wir wollen ja nicht,
dass das Ding schon vor dem Wettbewerb irgendwo mit leerem Akku liegen bleibt. Bei starkem
Seitenwind kämpft sich die Kleine zurück zum Startpunkt, wo ich sie nach Einleitung der
autonomen Landesequenz in Empfang nehme. Testflug nicht ganz geglückt, aber dennoch ein
voller Erfolg: Trotz starkem Wind kam unser Fluggerät zu uns zurück - voll autonom
versteht sich. Und das Videobild war auf die 700 m exzellent - der eigentlichen Mission
steht demit nichts mehr im Wege ...
... außer vielleicht der Wind, der immer stärker und
böiger wird. Inzwischen möchte keiner mehr fliegen, auch den Teams mit den kleinen
schnellen Fliegern mit "Paparazzi-Autopilot" (paparazzi.nongnu.org) ist es
inzwischen zu viel. Nachdem sich das Wetter stundenlang nicht ändert werden die Missionen
für heute im wahrsten Sinne des Wortes abgeblasen. Stattdessen sollen Konferenz-Vorträge
von den kommenden Tagen vorgezogen werden. Enttäuscht bauen wir unsere Basis wieder ab -
alles hätte gepasst und wir wären gerne auch endlich geflogen, um den Rest der Woche
gemütlich genießen zu können. Jedoch mit so viel Wind hätten wir's zwar bis zur Bank
geschafft, aber dabei so viel Energie verbraucht, dass wir definitiv nicht mehr
zurückkommen hätten können um den Akku zu wechseln.
Also dann, hoffen wir mal auf besseres Wetter morgen
...
Nach uns testet die Chiba University Japan eines ihrer
Fluggeräte. Das lustige ist: Die fliegen mit unseren UFOs!! Hehe, die haben die Dinger
vom X3D-Shop gekauft, eine eigene Sensoreinheit draufgesteckt und damit einen GPS
Positionsregler aufgebaut. Funktioniert erstaunlich stabil! ... nur ähm ... an der
Steuerung muss noch ein bisschen gearbeitet werden :-). Bei einem geplanten 50 m weiten
Testflug fliegt das Ding einfach weiter nach Hause nach Japan. Allerdings nicht auf dem
direkten weg sondern einmal um die Kugel rum ;-). Da hilft auch das "Terminate
flight! Terminate flight!" von Kernal Stierna nichts mehr. Ufo fliegt davon, Pilot
läuft hinterher, Auto kommt nach. Auf jeden Fall die Show des Tages *muhahaha*. ;) Eine
Viertelstunde später sind alle inkl. UFO wieder da. Das Ding blieb nach 1,2 km am Boden
hängen :-).
Zurück im Hotel machen wir uns auf Grund der heutigen
Erfahrungen an eine erneute Optimierung unserer Fluggeräte. Konkret versuche ich die
onboard-Software und Parameter so zu verändern, dass sich die Hornets noch wesentlich
mehr gegen den Wind neigen können ohne dabei instabil zu werden. Die Aktion bringt
immerhin 6° mehr maximale Neigung in Pitch und Roll, was uns auch bei starkem Wind noch
ziemlich schnell fliegen lassen sollte. Zufrieden und ein wenig aufgeregt gehen wir wieder
mal viel zu spät ins Bett - aber heute werden's wenigstens drei Stunden Schlaf. |
| Mo/Di, 10./11.03.08:
Vorbereitungen für den Wettbewerb Montag Früh
werden erst mal - so richtig Jugend forscht mäßig :-) - Wettbewerbsstände aufgebaut, an
denen die Teams sich gegenseitig, interessierten Besuchern und der Presse ihre Systeme
präsentieren. Bei uns sind hauptsächlich Nick und Jan am Stand. Nach der offiziellen
Konferenzeröffnung verschwinden wir in unsere Zimmer und anschließend raus in den
Hotelgarten. Wir müssen bis Mittwoch noch 4 Hornet vollständig mit finaler Software zum
fliegen bringen und v.a. auch testen, dass die Missionsplanungssoftware der Amis mit
unseren Systemen funktioniert. Prinzipiell haben wir für den Wettbewerb die komplette
fliegende Hardware inkl. aller on-board Software wie Sensorfusion, Flugregelung und
GPS-Waypoint Navigation entwickelt, während die Amis an einem sehr umfangreichen
Softwarepaket für die Missionsbasis arbeiteten.

Es gibt noch einiges an Software zu implementieren, von
meiner Seite aus v.a. das ganze Notfallhandling: Was macht das Ding wenn R/C und Datenlink
verloren gehen? Was passiert bei GPS Ausfall? etc. Michi ist noch damit beschäftigt
Kompass und GPS Module etwas anders zu montieren, dass sie nicht mehr vom Daten- und
Videofunk gestört werden und Jan ist damit beschäftigt die UFOs mit
Langstrecken-Datenmodems und den zugehörigen Antennen auszustatten.
Montag Nachmittag halten die Teams jeweils einzeln eine
Präsentation für die Jury: Was hat man entwickelt, wie soll die Mission ablaufen, etc.
Nick macht seine Sache gut - als MIT Prof. weiß er wie man Vorträge hält :).
Am Dienstag Nacht haben wir dann tatsächlich vier
vollfunktionsfähige Hornets in unserem Zimmer stehen. Gerade noch rechtzeitig, denn wir
wurden ausgelost als das Team, das am Mittwoch Früh als erstes demonstriert, was es im
Missionsszenario zu Stande bringt. Schlaf gibt's heute Nacht nicht viel - aber die zwei
Stunden von 3 bis 5 tun trotzdem gut :).
Übrigens: Natürlich gibt's hier morgens, mittags und
abends Indisches Essen. Sehr, sehr lecker, wenn auch für den Magen-Darm-Trakt eines
Europäers eine echte Härteprobe. |
| Sonntag, 09.03.08:
Auf nach Agra Die Flugrobotik-Konferenz rund um den
Wettbewerb findet im Jaypee Palace Conference Hotel in Agra statt. Agra liegt etwa 200 km
südlich von Delhi - etwa 6 Stunden mit dem Bus ;-). Über Nacht sind auch noch die
meisten anderen Teams eingetrudelt, darunter auch zwei unserer Teammitglieder vom MIT. Sam
blieb am Airport in Chicago stecken, Nick war tatsächlich auf dem späteren Flug und ist
daher noch nicht hier. Über die indische Autobahn geht's im Bus nach Agra:

Schon nach 6 1/2 Stunden haben wir das etwa 200 km
weite Ziel erreicht. Wieder die krasse Kluft zwischen Arm und Reich: Auf einer kaputten,
dreckigen Straße biegt der Bus nach links ab, fährt durch ein Tor und auf einmal ist die
Landschaft grün, alles ist sauber und ein riesiges, hochmodernes Hotel steht mitten drin.
Springbrunnen, bunte Pflanzen, ein Swimmingpool und was sonst alles auf so ein Gelände
gehört. Schon komisch ... all das in Mitten der puren Armut...
Den Rest des Tages verbringen wir mit dem auspacken und
herrichten unserer "Hornets", den kleinen 6-rotorigen Helikoptern die wir eigens
für diesen Wettbewerb entwickelt haben. Gegen Abend taucht auch Nick Roy, unser
Teamleiter und MIT Professor auf, nachdem er 3 Stunden umsonst in einem Taxi saß, weil
ihm der Taxifahrer erst nach 2 Stunden gestand, dass er nicht weiß wo er hinfahren muss
und ihn daher wieder zum Airport zurück fuhr ;-).
Gegen Abend ist noch ein zweistündiges Teambriefing,
indem Kernel Stierna, der "Flugleiter" beim Wettbewerb das aktuelle Regelwerk
und Details über die Mission erklärt. In vielen Teams wird aufgeatmet, da die Regeln und
Aufgaben im Vergleich zu der ersten Ausschreibung noch erheblich vereinfacht wurden.
Schade für uns, v.a. für die Missionssoftware Entwickler vom MIT; denn wir hatten uns
tatsächlich auf alle Schwierigkeiten der Mission vorbereitet. So wurden uns mit dem neuen
Regelwerk z.B. alle Koordinaten von Gebäuden und "Cover-Position", an denen
sich das Einsatzkommando auf seinem Weg zum Bankgebäude verstecken kann, vorgegeben. Das
macht die Mission natürlich wesentlich einfacher. Naja, ein bisschen lassen uns die
Änderungen dennoch auch aufatmen - damit kann gleich wesentlich weniger scheifgehen :).
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| Samstag,
08.03.08: Lost @ Airport und Verkehr in Indien Um 07:00 Uhr Ortszeit kommen wir am Airport in Delhi an.
Die 04:30 Stunden Zeitverschiebung machen die ohnehin schon viel zu nächtliche Zeit noch
wesentlich grausamer ;-). An dem hochmoderne, sauberen Terminal könnten sich so manche
deutschen Airports ein Beispiel nehmen ;-)
Immigration geht ganz schnell - dafür waren wir schon zwei Tage vor
dem Abflug, also "just in time" ;-), bei der Indischen Botschaft in München um
uns ein Business-Visum ausstellen zu lassen.
So ... wo sind jetzt die Leute vom MAV08 Orgateam die uns abholen
wollten? Weit und breit niemand zu sehen ...Also erst mal E-Mails nach Telefonnummern
durchkramen und deutsche Handykosten in Indien testen. Es stellt sich heraus, dass wir
eigentlich erst einen Tag später erwartet wurden. Das könnte auch erklären warum Nick
Roy vom MIT nicht mit uns im Flieger war. Ihn wollten wir eigentlich in München am
Gate treffen. Na gut ... nach ein paar Stündchen am Airport kommt noch ein
Wettbewerbsteam aus Arizona an, das auch planmäßig abgeholt wird, und gemeinsam fahren
wir dann mit unserem Fahrer Hatschima Nahasschiraka Kuschimathotahey Pema Petilon mit
seinem Taxi in ein Gästehaus einer der an der Orga beteiligten Organisationen:

Hier ein Bildchen vom Taxi:

Ähhhh ... sorry, falsches Foto. Here we go:

Die Fahrt hinterlässt viele lustige und interessante,
aber auch schockierende Eindrücke. Ganz so arm und dreckig habe ich mir Indien nicht
vorgestellt - auf dem Land vielleicht, aber nicht in einer Großstadt wie Delhi. Viele
Leute leben in Zelten oder winzigen Ziegelhütten am Straßenrand. Auf den Straßen
wimmelt es von Menschen - zu 90% Männer. Keine Ahnung, wo die Inder ihre Frauen
verstecken. Wobei, manchmal sieht man einen Laster mit 50 Frauen in hübschen Kleidern auf
der Ladefläche ... Alles ist dreckig. Staub und Erde, abgebröckelte Bordsteine und üble
Straßenbeläge gehören zum alltägilchen Bild. Müllentsorgung? Für irgendwas müssen
die Wiesen und Felder, Flüsse und Seen doch gut sein! In Mitten des Getummels auf den
Straßen blitzt der westliche Einfluss durch. Plastikmüll, Coca-Cola Werbung und eine
winzige Lehmhütte, in der Handies verkauft werden. Der Verkehr ähnelt sehr an China:
Viele viele Fahrräder, tausende Roller und Mopeds, dazwischen von Ochsen, Eseln oder
undefinierbaren großen Viechern gezogene Kutschen, Traktoren mit 5 Meter hoch
überladenen Anhängern und Tiere und Menschen zwischendrin. Ein mit weniger als 4 Leuten
besetztes Moped gilt als unterbesetzt ;-). Kühe, Ochsen, Ziegen liegen angeleint am
Straßenrand oder streunen frei durch den Verkehr. Streunende Hunde die sich über den
Müll am Straßenrand hermachen, gehören ebenfalls zum Bild. Wer hier im Stress ist hat
verloren - für die 40 km vom Airport zum Gästehaus brauchen wir mehr als drei Stunden.
Die Zeit geht dennoch schnell vorbei - es gibt zu viel zu sehen.
Hier ein paar Eindrücke von unseren ersten Stunden in
diesem fremden Land.


Das Gästehaus, in dem wir die erste Nacht übernachten
sollen, steht auf einem eingezeunten Geländet. Innerhalb des Zauns ist der Rasen Grün
und die Wege sind sauber. Dieser Kontrast erwartet einen Europäischen Touristen wohl in
jeder Ecke Indiens.
Im Gästehaus angekommen treffen wir auf ein weiteres
Team aus Holland, die mit ihrem "Roboswift" antreten: Ein kleines schwarzes,
einem Mauersegler nachempfundenes Flugzeug mit Flügeln, die beim anklappen ihre Fläche
und damit die Flugeigenschaften verändern. Leider zu groß um am eigentlichen Wettbewerb
teilzunehmen, aber sehr spannend. Falls jemand mehr Informationen zu diesem Projekt haben
möchte: www.roboswift.nl.

Unter diesen Technikbastlern fühlen wir uns schon
wieder mehr zu Hause, und beginnen auch damit unsere Hardware aus den Koffern zu packen
und die ersten Testflüge im indischen Luftraum zu absolvieren. Die internationale
Tauglichkeite unserer Flugregelungssoftware ist damit bestätigt. ;-). Ok, Tests auf der
Südhalbkugel fehlen noch, aber die werden wir kommende Woche in Moore (kleine Insel in
der Nähe von Tahiti) durchführen :-). |
| Freitag,
07.03.08: Viel zu müde und ein sehr erfolgreicher Testflug Die letzten Wochen waren wirklich krass - spät nach Hause, früh raus, keine
Minute frei :-(. Aber mit einem Ziel: Indien. Unsere neue "Hornet", ein 29 cm
großer Hexacopter, muss fliegen. Und zwar komplett autonom. Und wie das bei solchen
Projekten immer ist - nichts funktioniert. Zumindest nicht am Abend vorher ;-). Dem zur
Folge haben Michi, Jan und ich eine laaaange Nacht hinter uns. Kaffee hilft.
Damit ihr wisst worum's geht:

Da wir in der Mission beim Wettbewerb einen ganzen Kilometer weit
autonom fliegen müssen, um uns das Bankgebäude genauer anzuschauen, sollten wir das
vorher mal getestet haben. Also geht's kurz vor dem Kofferpacken noch raus auf's Feld. Wie
geil!! Stell dir vor du siehst ein UFO, das immer weiter von dir weg fliegt. Langsam
verschmilzt es zu einem einzigen Punkt - und der wird dann auch noch kleiner und kleiner.
Bis das Ding nur noch ein winziges schwarzes Flimmern am Horizont ist. Und so richtig cool
ist es dann wenn der Punkt auch wieder größer wird und stabil neben dir landet :-).
Seeehr geil.
=> Koffer packen, vom Markus zum Flughafen fahren lassen,
Deutschlandabschiedsbier genießen (warum gibt's am Airport eigentlich kein Colaweizen?!)
und gemütlich im Flieger pennen. Endlich ein bisschen Ruhe ... |

      Warnung: Nicht alle hier
abgebildeten Fluggeräte waren Beiträge des MAV08 Wettbewerbs. Dennoch wurden sie alle am
Flugfeld nahe Agra gesichtet ;-).
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